Foto: see Architekten, Dippoldiswalde
16.07.2007 - Ausgabe 04/2007
Zacken an der Elbe
Wasserfahrtzentrum in Dresden-Blasewitz
Die Bauten des Betonschalen-Pioniers Ulrich Müther zählen zweifelsohne zu den beeindruckendsten architektonischen Zeugnissen der Moderne in der DDR. Das Wasserfahrtzentrum in Dresden-Blasewitz hatte schwer unter dem Elbehochwasser im Jahr 2002 gelitten. Nun ist es gerettet – und mehr als das: Die Modernisierung durch see architekten zeigt, wie sich vorhandene Qualitäten eines Gebäudes noch verstärken lassen.
Was für eine Schande! Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die weitgehende Missachtung der städtebaulichen, architektonischen und ingenieurtechnischen Leistungen der Architekten in der DDR, dass es erst der Diskussionen um den Abriss von Müthers berühmtem „Ahornblatt“ (1973) auf der Fischerinsel in Berlin bedurfte, um seine Arbeit neu in den Blick zu nehmen. Und das Schicksal dieses Bauwerks steht keineswegs allein. Traurige Regel gerade im Umgang mit den Sonderbauten der DDR ist der Abriss oder die Überformung bis zur Unkenntlichkeit. Aktuelle Beispiele sind der Palast der Republik in Berlin, die Kaufhäuser in Dresden und Suhl oder der „Brühl“ in Leipzig. Demgegenüber steht ein in den letzten Jahren wachsendes wissenschaftliches und künstlerisches Interesse an der so genannten Ostmoderne und damit auch an Müthers Bauten, dessen plastisch-dynamische Arbeiten besonders bei jüngeren Architekten Kultcharakter genießen.
Das Wasserfahrtzentrum in Dresden wurde von Müther zusammen mit dem Architekten Jörg Schönrock entworfen und Anfang der 1970er Jahre fertiggestellt. Das Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe zur berühmten Eisenbrücke „Blaues Wunder“ an der Elbe. Es ist gekennzeichnet durch eine auffällige und weithin sichtbare Dachkonstruktion aus vier zusammengesetzten hyperbolischen Paraboloid-Schalen über einer Grundrissfläche von insgesamt 36 mal 36 Metern. Die Vorteile der Hyparschalen wurden genutzt, um mit einer sattelförmigen Gegenkrümmung eine weit spannende und stützenfreie Dachkonstruktion zu errichten, die eine Betondicke von durchschnittlich sechs Zentimetern aufweist. Der Bau war als Kinder- und Jugendsportschule der Wassersportabteilung des SC Einheit Dresden errichtet worden und enthielt neben vier Kanu-Wasserbecken ein Ruderbecken, eine kleine Mehrzweckhalle sowie Kraft- und Sanitärräume. Die Anlage ähnelt in ihrer Gesamtheit dem Ausstellungszentrum „Rotes Horn“ in Magdeburg, das Müther fast gleichzeitig entwarf.
Nach gravierenden Schäden an der Gründung und der Fassade durch die Flut 2002 stand das Gebäude vor der Schließung. Letztlich wurde ein Wettbewerb für die Sanierung und die Umgestaltung der Sportstätte ausgelobt, den das Büro see architekten aus Dippoldiswalde gewann. Die Baumaßnahmen wurden aus Mitteln des Aufbauhilfsfonds von Bund und Freistaat Sachsen unter finanzieller Beteiligung der Stadt Dresden realisiert. Gefordert waren neben der Sicherung des Gebäudes ein neues Raumprogramm gemäß den Ansprüchen der verschiedenen Nutzer: War das Wasserfahrtzentrum ursprünglich ausschließlich für das Training von Kanuten und Ruderern ausgelegt, trainieren dort heute auch Boxer und Judoka...
Torsten Birne / Robert Hodonyi

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Zacken an der Elbe
Wasserfahrtzentrum in Dresden-Blasewitz
Die Bauten des Betonschalen-Pioniers Ulrich Müther zählen zweifelsohne zu den beeindruckendsten architektonischen Zeugnissen der Moderne in der DDR. Das Wasserfahrtzentrum in Dresden-Blasewitz hatte schwer unter dem Elbehochwasser im Jahr 2002 gelitten. Nun ist es gerettet – und mehr als das: Die Modernisierung durch see architekten zeigt, wie sich vorhandene Qualitäten eines Gebäudes noch verstärken lassen.Was für eine Schande! Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die weitgehende Missachtung der städtebaulichen, architektonischen und ingenieurtechnischen Leistungen der Architekten in der DDR, dass es erst der Diskussionen um den Abriss von Müthers berühmtem „Ahornblatt“ (1973) auf der Fischerinsel in Berlin bedurfte, um seine Arbeit neu in den Blick zu nehmen. Und das Schicksal dieses Bauwerks steht keineswegs allein. Traurige Regel gerade im Umgang mit den Sonderbauten der DDR ist der Abriss oder die Überformung bis zur Unkenntlichkeit. Aktuelle Beispiele sind der Palast der Republik in Berlin, die Kaufhäuser in Dresden und Suhl oder der „Brühl“ in Leipzig. Demgegenüber steht ein in den letzten Jahren wachsendes wissenschaftliches und künstlerisches Interesse an der so genannten Ostmoderne und damit auch an Müthers Bauten, dessen plastisch-dynamische Arbeiten besonders bei jüngeren Architekten Kultcharakter genießen.
Das Wasserfahrtzentrum in Dresden wurde von Müther zusammen mit dem Architekten Jörg Schönrock entworfen und Anfang der 1970er Jahre fertiggestellt. Das Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe zur berühmten Eisenbrücke „Blaues Wunder“ an der Elbe. Es ist gekennzeichnet durch eine auffällige und weithin sichtbare Dachkonstruktion aus vier zusammengesetzten hyperbolischen Paraboloid-Schalen über einer Grundrissfläche von insgesamt 36 mal 36 Metern. Die Vorteile der Hyparschalen wurden genutzt, um mit einer sattelförmigen Gegenkrümmung eine weit spannende und stützenfreie Dachkonstruktion zu errichten, die eine Betondicke von durchschnittlich sechs Zentimetern aufweist. Der Bau war als Kinder- und Jugendsportschule der Wassersportabteilung des SC Einheit Dresden errichtet worden und enthielt neben vier Kanu-Wasserbecken ein Ruderbecken, eine kleine Mehrzweckhalle sowie Kraft- und Sanitärräume. Die Anlage ähnelt in ihrer Gesamtheit dem Ausstellungszentrum „Rotes Horn“ in Magdeburg, das Müther fast gleichzeitig entwarf.
Nach gravierenden Schäden an der Gründung und der Fassade durch die Flut 2002 stand das Gebäude vor der Schließung. Letztlich wurde ein Wettbewerb für die Sanierung und die Umgestaltung der Sportstätte ausgelobt, den das Büro see architekten aus Dippoldiswalde gewann. Die Baumaßnahmen wurden aus Mitteln des Aufbauhilfsfonds von Bund und Freistaat Sachsen unter finanzieller Beteiligung der Stadt Dresden realisiert. Gefordert waren neben der Sicherung des Gebäudes ein neues Raumprogramm gemäß den Ansprüchen der verschiedenen Nutzer: War das Wasserfahrtzentrum ursprünglich ausschließlich für das Training von Kanuten und Ruderern ausgelegt, trainieren dort heute auch Boxer und Judoka...
Torsten Birne / Robert Hodonyi

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Landeshauptstadt Dresden, Sportstätten- und Bäderbetriebwww.dresden.de
Architekten
see architekten, Dippoldiswaldewww.see-architekten.de
Tragwerksplanung / Brandschutz
Prof. Rühle, Jentzsch & Partner GmbH, Dresdenwww.rjp.de



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